WILPF Schweiz
                              Women's International League for Peace and Freedom

Statement zu den Angriffen auf Rojava

Nordsyrien – 25. Januar 2026:

An der Seite der deutschen WILPF-Sektion erklärt sich die Schweizer Sektion der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF/WILPF) solidarisch mit der Zivilbevölkerung von Nordostsyrien (Rojava) — besonders mit den kurdischen Gemeinden, Jesid*innen, Frauen, LGBTQIA+-Personen und anderen marginalisierten Gruppen, die seit Jahrzehnten Opfer systematischer Gewalt, Vertreibung und politischer Unterdrückung sind.

Wir appellieren an alle feministischen, Friedens- und menschenrechtsbasierten Organisationen weltweit, solidarisch an der Seite der Zivilbevölkerung in Rojava zu stehen und mit uns einen sofortigen Stopp aller Angriffe auf kurdische und andere zivilgesellschaftliche Gemeinschaften in Nordostsyrien, Anerkennung und Schutz des Rechts auf politische Selbstbestimmung der Kurd*innen und aller religiösen und ethnischen Minderheiten in Syrien zu fordern!

Seit den Angriffen auf kurdische Wohngebiete in Aleppo im Januar dieses Jahres durch HTS und Türkei-nahe Milizen erleben wir eine erneute Eskalation der Gewalt gegen kurdische Mehrheitsgebiete, die vor den Augen der internationalen Gemeinschaft stattfindet. 

Die Gewalt in Nordostsyrien trifft Frauen, Mädchen und LGBTQIA+-Personen in besonderer Weise:

  • Sexualisierte Gewalt, Entführungen und gezielte Angriffe auf Frauen sind Mittel der Kriegsführung, die auf Einschüchterung und Zerstörung von Gemeinschaften abzielen.

  • LGBTQIA+-Personen werden explizit verfolgt, geächtet und staatlicher oder militärischer Gewalt ausgesetzt — ein direkter Angriff auf ihre Existenz und Rechte.

  • Patriarchale Gewalt wird in diesem Krieg ideologisch aufgeladen und instrumentalisiert, um Machtstrukturen zu stabilisieren und Widerstand zu brechen.

Rojava als feministischer Gegenentwurf

Die demokratische Selbstverwaltung Nordostsyriens ist ein einzigartiges soziales und politisches Projekt, das der Idee radikaler Selbstbestimmung Gestalt verleiht. Sie basiert auf dem Grundsatz, dass Frieden nur möglich ist, wenn Frauen gleichberechtigt und aktiv an allen Entscheidungsprozessen beteiligt sind — in starker Übereinstimmung mit der Resolution 1325 zu Frauen, Frieden und Sicherheit, für die WILPF sich seit Jahrzehnten stark macht.

Diese Vision ist ein konstruktiver Gegenentwurf zu patriarchalen, autoritären und religiös-fundamentalistischen Strukturen.

Zusammen mit der deutschen Schwestersektion von WILPF fordern wir:

  1. Sofortiger Stopp aller Angriffe auf kurdische und andere zivilgesellschaftliche Gemeinschaften in Nordostsyrien.

  2. Anerkennung und Schutz des Rechts auf politische Selbstbestimmung der Kurd*innen sowie aller religiösen und ethnischen Minderheiten in Syrien — frei von ausländischer Intervention und militärischer Einflussnahme.

  3. Schutz von Frauen, Mädchen, LGBTQIA+-Personen und marginalisierten Gruppen vor sexueller Gewalt, willkürlicher Verfolgung und Diskriminierung.

  4. Rechenschaftspflicht für Kriegsverbrechen: Täter, einschliesslich ISIS, HTS und assoziierter Gruppen, müssen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor unabhängigen internationalen Gerichten zur Verantwortung gezogen werden.

  5. Ende der Normalisierungspolitik gegenüber der syrischen Übergangsregierung zur Verwirklichung geopolitischer und innenpolitischer Interessen. Syrien ist kein sicheres Herkunftsland, Abschiebungen dorthin sind menschenrechtswidrig.

  6. Internationale politische Unterstützung und humanitäre Hilfe für Initiativen, die Geschlechtergerechtigkeit und Frieden fördern — ohne an Bedingungen gebunden zu sein, die autoritäre, militarisierte oder fundamentalistische Agenden stützen.

Text als PDF

 

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